Ist Mops = Mops ?

Zum Einstieg in diesen Beitrag habe ich eine Umfrage gestartet! Meine Familie und Freunde wurden nicht befragt, da sie bereits was das Thema Mops angeht, geimpft sind. Ich habe zehn fremde Personen mit Überwindung und klopfenden Herzen auf der Straße angesprochen, ob sie die Rasse Mops kennen und wenn ja, ob sie diese kurz beschreiben könnten.

Um es kurz zu machen, alle Befragten kannten schon mal die Rasse. Aber leider nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte. Neun Befragte beschrieben den Mops als ein schnarchendes dickes überzüchtetes Hündchen ohne Nase und eine Befragte nannte den Begriff Retromops vom Hörensagen.
                                                                So kennen viele den Mops (hier unsere Ela) offensichtlich nicht!

Puh, ich war wirklich geschockt. Und dachte mir -passend zu meinem Aufbau einer Mopshobbyzucht-, diesen fest verankerten Aberglauben in den Köpfen von Hunde- und/oder Nicht-Hundebesitzer zu verscheuchen. Dieser Beitrag soll jedoch nicht dazu dienen gegen einen Verband/Verein aufzuhetzen, sondern nur um allgemein aufzuklären!

Fangen wir mit der Geschichte des Mops an. Die Rasse Mops ist sehr sehr alt und reicht bis zu 2.000 Jahre zurück. Made in China sozusagen. Damals gehörte der Mops dem Hof des chinesischen Kaiser an. Und wie auch Geschmeide, gehörte er nur dem Kaiser. Man erkannte in den Stirnfalten des Mops das chinesische Schriftzeichen für „Prinz“ wieder. Der Mops galt daher bei den Kaisern als Glückssymbol. Der Mops war wie ein Hofnarr, er unterhielt den Hof des Kaiser mit seiner lustigen, intelligenten und netten Art.

                                                                                        Quelle: Sean Luis Illustration

Doch wie fand der Mops den Weg nach Europa?

Der Kaiser schenkte einen Mops anderen Würdenträgern oder ausländischen Gesandten -natürlich nicht ohne Eigennutz-, wenn er um deren Gunst hoffte. Ca. im 16. Jahrhundert erhielt das holländische Königshaus (Oranien) einen Mops als Gastgeschenk.

Im Jahre 1688 nahm daher König Wilhelm III von Oranien seine Möpse mit nach England, als er mit seiner Ehefrau (der Prinzessin und Trohnfolgerin des englischen König) vom Parlament 1689 als die neuen gleichberechtigten Herrscher anerkannt und im gleichen Jahr in einer Doppelkrönung gekrönt wurden. Somit wurde in England die Mopszüchtung gegründet.

Im 18. Jahrhundert war der Mops der Modehund und Symbol der reichen Bürger. Er war der ständige Begleiter von adligen Damen, die ihn überall präsentierten und ihn mästeten. Das ist auch der Anblick eines kleinen Schweinchens, was den meisten bekannt ist und was den Untergang des Mops bedeutete. Der Dichter Wilhelm Busch brachte es mit “Die Strafe der Faulheit” auf den Punkt:

Fräulein Ammer kost allhier mit Schnick, dem allerliebsten Tier.
Sie füttert ihn, so viel er mag, mit Zuckerbrot den ganzen Tag.
Und nachts liegt er sogar im Bett, da wird er freilich dick und fett.Bildergebnis für wilhelm busch die strafe der faulheit
Einstmals, als sie spazieren gehen, sieht man den Hundefänger stehen.
Er lockt den Schnick mit einer Brezen. Das Fräulein ruft ihn voll Entsetzen.
Doch weil er nicht gehorchen kann, fängt ihn – gripsgraps! – der böse Mann.
Seht, wie er läuft, der Hundehäscher! Und trägt im Sack den dicken Näscher.
Gern lief er fort, der arme Schnick, doch ist er viel zu dumm und dick.
Den schlacht ich!« spricht der böse Mann, “weil er so fett und gar nichts kann.“
Das Fräulein naht und jammert laut, es ist zu spät: da liegt die Haut.
Zwei Gülden zahlt sie in der Stillen. Für Schnickens letzte Außenhülle.
Hier steht der ausgestopfte Schnick. Wer dick und faul, hat selten Glück

Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-strafe-der-faulheit-4187/1

Der Mops war um Jahr 1918 in ganz Europa der Modehund schlechthin. Doch dann starben die Mopsliebhaber(innen) und damit auch fast die Rasse. Bis ca. 1940 wurde der Mops mit der Rasse Pinscher und Rattler gekreuzt, damit er nicht ausstarb. So war die Nase wieder vorhanden und daher kommt der Begriff “altdeutscher Mops”. Im Anschluss gab es kaum Züchter in der Deutschen Bundesrepublik, es wurde nach englischem Standard gezüchtet und die heute bekannte Überzüchtung erfolgte. Was soll ein Mops schon mit einer Nase?

Quelle: www.pixabay.com

Die Überzüchtung der Rasse Mops ist vielen bekannt. Auch ich dachte bei dem ersten Kontakt zum Mops daran. Doch was bedeutet die Überzüchtung für diese Rasse im Detail? Mit Überzüchtung ist der Grad der genetischen Veränderung gemeint. Beim Mops bedeutet es:

  • Glubschaugen = anfälliger für Verletzungen

  • Fang verkürzt = eine eingedrückte Nase, wodurch eine Kurzatmigkeit und Schnarchen entsteht

    • Brachycephales Syndrom: Problem in den oberen Atemwegen
  • viele Falten im Gesicht = rufen Entzündungen hervor

  • kurze Beine = der Mops wird unbeweglich(er) und die Organe sind zu nah am Boden

Und wie ist es heute im Jahre 2017? Begegnet man nur Hundebesitzern von Möpsen, die kurz vor der Schnappatmung stehen und die Zunge heraushängen lassen?

Generell hat jeder Verband bzw. Verein seine Zuchtordnung. In dieser ist beschrieben, wie u.a. der Mops gezüchtet werden darf und welche tierärztlichen Untersuchungen vor Bestätigung der Zuchttauglichkeit vorgenommen werden müssen.

Nach meiner Kenntnis, gibt es drei “Mopstypen”:

  1. Mops, der nach FCI Rassestandard beim VDH e.V. (Verband für das deutsche Hundewesen) und
  2. Mops, der zum altdeutschen Mops oder
  3. Mops, der als Retromops gezüchtet wird.

Der VDH e.V. ist das einzige deutsche Mitglied der FCI (Fédération Cynologique International), des Weltverbandes für Rassehundezucht. Er ist der Dachverband von fast 200 Hundezucht- und Hundesportvereinen. Die Zuchtordnung für den Mops wurde immer wieder von Außen in Frage gestellt, da diese nicht zur Lebensqualität des Mopses beigetragen hat.

Mit der Zeit sind Veränderungen in der Zuchtordnung sichtbar. Bspw. wurde ein durch Zoologen und Tierärzten entwickelter Belastungstest im Jahr 2009 als fester Bestandteil zur Zuchtzulassung eingeführt. Auch ist aktuell auf den Homepages der angehörigen Zuchtvereine zu entnehmen, dass sie auf Einladung des VDH am 27.04.2017 an einem Gespräch zum Thema “Qualzucht” teilgenommen haben. Der VDH teilte bei diesem Gespräch den Vereinsvertretern mit, wie aus Sicht des VDH zukünftig das Zuchtgeschehen der Rasse Mops aussehen soll. Ein Gesprächsprotokoll habe ich nicht gefunden. Gerne hätte ich ein paar kurze Fragen an eine mir bekannte Mopshalterin eines VDH Mopses gestellt, jedoch keine Rückmeldung erhalten.

Da der alte  FCI Standard des VDH nicht unbedingt zur verbesserten Lebensqualität des Mops beigetragen hat, haben sich vor mehreren Jahren dissidente Züchtervereine gegründet.

Dies war zunächst im Dezember 2001 der MPRV e.V. . Das Ziel des Verband war bzw. ist es, das ursprüngliche Aussehen des Mops, wie er im 19. Jahrhundert üblich war (altdeutscher Mops), wieder zu züchten. Mit der Zeit haben sich weitere dissidente Vereine wie der IG-Mops und Verein Mops Vital e.V. im Jahr 2014 mit dem gleichen Ziel gegründet. Warum ich zum altdeutschen Mops züchten möchte, könnt Ihr hier nachlesen.

Ela kommt aus der Zucht vom Kahlen Asten, welche Mitglied im MPRV e.V. sind. Wie man bereits an Ela´s Seitenprofil sehen kann, hat sie in meinen Augen u.a. eine vorgelagerte Schnauzenpartie und eine freie Atmung ist dadurch gewährleistet. 

Nun die Erklärung über den Retromops. Die Züchtergemeinschaft ist der Züchterkreis für den Retromops (ZKR). Durch die Eintragung beim Deutschen Patent- und Markenamt ist der Begriff “ZKR Retromops” geschützt. Bei der Zucht des Retromopses wird eine fremde Rasse, der Parson Russel Terrier, mit eingekreuzt. Gegner des Retromops argumentieren mit dem Wesensverlust durch diese Einkreuzung. Da passt es doch, dass ich über Social Media die Hundebloggerin Victoria mit ihrer Retromopshündin Mia kennen gelernt haben. Sie war so nett und hat mir meine Fragen beantwortet:

Warum ein Retromops?

Ich liebe ja grundsätzlich alle Hunderassen, aber die kleineren haben es mir schon sehr früh angetan. Als bei uns dann das Thema auf kam, welche Hunderasse wir uns anschaffen möchten, hatten wir doch einige im Kopf. Entschieden haben wir uns jedoch sehr schnell für den Retromops. Ich kam einige Zeit zuvor per Zufall auf diese Rasse und habe mich schon da voll verliebt. Der Mops gefiel mir schon immer vom Aussehen, ich wollte aber einen Hund, mit ich auch mal eine dreistündige Wanderung und Velo Tour machen kann. Da bot sich der Retromops gut an. Mit dem sportlichen Körperbau des Terriers, dem Aussehen des Mopses und den kleineren Gesundheitsrisiko (freie Atemwege und nicht so fest herausragende Augen) war er mein perfekter Hund. Mein Freund für diese Rasse zu begeistern war wirklich nicht schwer. Im Internet fanden wir dann auch unsere Züchterin und Mia.

Mia´s Charakter

Die Mischung zwischen den beiden Rassen ist sehr ähnlich, trotzdem sticht der Charakter des Mopses mehr durch. Sie versprüht gerne ihren Charme, ist lebhaft, intelligent und ein Dickkopf, wie es im Buche steht. Allerdings auch sehr arbeitsfreudig wie der Parson Russel Terrier, dass vor allem beim Tricks lernen und dem Spielen zu Vorschein kommt.

Vielen Dank nochmal an dieser Stelle für deine Bereitschaft liebe Victoria!

Ich denke, dass im Großen und Ganzen Hunde- und Nicht-Hundebesitzer, die nur an den überzüchteten Mops denken, nun auf dem aktuellsten Stand sind.

Zu guter Letzt eine Quizfrage: Woher kommt die Bezeichnung Mops?

Auflösung: Es gibt zwei Antworten, die ich gefunden habe. Ihr erinnert Euch, dass das holländische Königshaus im 16. Jahrhundert einen Mops als Gastgeschenk erhielt. Die Holländer sagten, der Hund brummelt oder schaut mürrisch und benutzten das Wort moppern. So hat sich der Begriff Mops abgeleitet.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Rasse Mops gemacht? Her mit Euren Erfahrungen und Meinungen!

 

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5 Kommentare

  1. Ich muss gestehen ich bin sehr vorbelastet was diese Rasse angeht. Vermutlich weil ich persönlich nur die röchelnden Plattnasen kenne, die ihr Geschäft im Garten erledigen und maximal eine Runde ums Haus laufen. Mehr geht auch nicht, auf halber Strecke liegt Mops dann mit allen Vieren auf dem Bauch und röchelt noch lauter als zuvor. Das müsste ich so ja noch nicht zu meinem Problem machen.. Jedoch haben wir das zweifelhafte Glück, dass genau die zwei Exemplare die wir kennenlernen durften, auf meine Hündin losgegangen sind. Und das aus dem nichts. Wir standen abseits, meine Hündin hatte noch nichtmal hingesehen.. Vom Verhalten der Besitzer gar nicht erst zu sprechen.. Die werden an dem Verhalten nicht ganz unschuldig sein.. Long story short: Wir sind keine Fans und meiden nach den Vorfällen. Meine Hündin empfindet das Röcheln inzwischen als Bedrohung/Knurren und mir sind sie einfach zu unerzogen /agressiv/distanzlos 🙁 Ich lasse mich jedoch gern positiv überraschen und bin gespannt

    1. Liebe Tilda,

      mensch, wie schade, dass Ihr diese Erfahrung machen musstet. Ich wünsche mir für Euch, dass ihr auch vitale, sportlich und gut erzogene (und das ist wirklich möglich) Möpschen kennen lernen werdet

      Liebe Grüße Sarah mit Bisco&Ela

  2. So ein toller Artikel. Auch wir haben in unserer Umgebung drei reinrassige Mopsdamen, die wirklich alle Klischees bedienen: röchelnd, watschelnd und kaum von der Stelle kommend. Allerdings muss ich sagen, dass ich persönlich darüber sehr erstaunt war, als wir hierherzogen, da ich sonst immer nur den altdeutschen Mops im Kopf hatte und mich immer wunderte, wenn Andere mich für die Vorliebe für die Rasse belächelten und sie mit einem röchelnden Schweinchen verglichen. Nun weiß ich wieso und muss wirklich sagen, dass ich dieses “über einen Kamm scheren” einfach gemein finde.
    Wir haben eine französische Bulldogge, die ja häufig ähnliche Vorurteile ertragen muss. Als wir zum ersten Mal zur Hundeschule kamen, wurden wir direkt von einer anderen Teilnehmerin gefragt, was denn der Arzt zu der Atmung sagt und ob er gesund sei, obwohl er noch nicht mal Anzeichen zeigt und auch, wie wir finden, eine schöne Nase hat. Natürlich gibt es hier bei den Züchtern auch viele schwarze Schafe, aber auch viele verantwortungsbewusste, die versuchen, die Rasse wieder gesünder zu züchten und natürlich haben wir uns für die letzteren entschieden. Trotzdem wird immer gleich davon ausgegangen, dass gleich alle Bulldoggen krank sind und röcheln. Nicht zuletzt tragen auch viele Hundehalter dazu bei, die ihre Hunde einfach überfüttern und sie zu einem kleinen Schweinchen heranzüchten, was mir in unserer Umgebung einfach immer wieder auffällt und ich ehrlich gesagt einfach nicht schön finde. Wir werden sogar manchmal direkt darauf angesprochen, dass unserer Rüde ja gar nicht so dick wie die anderen sei und woher das komme. Wir kennen diese Vorurteile also nur zu gut.
    So das war jetzt ganz schön viel, aber ich musste jetzt einfach mal meine Zustimmung kundtun. Danke für diesen tollen Artikel.

    Liebe Grüße
    Steffi mit Bulldogge Carlo

    1. Liebe Steffi mit Carlo,

      vielen lieben Dank für dein Lob über meinen Beitrag! Es freut mich, dass er Dir zur Klarheit geholfen hat 🙂 Das war auch der Sinn.
      Und mit diesen Vorurteilen werden wir auch ständig konfrontiert. Ich glaube, das wird auch noch lange so sein.
      Es freut mich sehr, dass Ihr mit der Wahl von Carlo offensichtlich den richtigen Weg gegangen seid. Er ist auch ein bildhübscher Kerl laut Social Media:-)

      Liebe Grüße
      Sarah

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