Nasenarbeit: Die Suche nach dem Fitzelchen

Nasenarbeit ist ein spannendes Thema für Hund & Frauchen/Herrchen und kann mit wenig Aufwand den eintönigen Spaziergang aufpeppen oder zu Hause für Abwechslung sorgen. Und da gibt es viele verschiedene Möglichkeiten 😀.

Hunde haben einen unglaublichen Geruchssinn. Die Nase ist das wichtigste Sinnesorgan vom Hund. Das macht einen großen Unterscheid zu uns Menschen aus. Wir Menschen riechen nur einseitig. Damit meine ich: wir riechen den Rauch vom Feuer, riechen aber nicht woher er kommt. Oder wir hören von Weitem eine jaulende Hündin, der Hund riecht aber auch aus welcher Richtung sie kommt. Hunde selektieren die Gerüche, somit können sie bspw. Spuren von Mensch und Wild folgen. Zu diesem Thema gibt es so vieles mehr zu schreiben. Da es aber diesen Beitrag sprengen würde, muss diese grobe Erklärung ausreichen. 

Seitdem wir Hundebesitzer sind, besuchen Alessia und ich mit Bisco & Ela die Kurse in unserem örtlichen Hundeverein Bell Amis e.V. und unsere Familie ist dort als Mitglied beigetreten. Im dortigen Trainerteam ist ehrenamtlich u.a. die Hundetrainerin Marion Leinweber von der Hundeschule Beziehungskiste Mensch & Hund tätig. Marion kennt uns und unsere Hunde vom Welpenalter an. Bereits im letzten Winter nahm ich an einem über ihre Hundeschule angebotenen Leinenführigkeit-Kurs mit Bisco bei ihr teil und es hat mir sehr gut gefallen. Diesen Kurs möchte ich mit Ela diesen Winter übrigens auch besuchen wenn er wieder angeboten wird. Mir gefällt die Art und Weise wir Marion Dinge deutlich und neutral erklärt, wie wir dadurch als Team wachsen und mit viel Spaß bei der Sache sind.

Bei diesem Leinenführigkeit-Kurs erzählte Marion, dass sie wieder Kurse für “die Suche nach dem Fitzelchen” anbieten wird. Sie legt Termine an verschiedenen Wochentagen zu verschiedenen Uhrzeiten an verschiedenen Treffpunkten rund um Heusenstamm fest. So, dass sich wechselnde Gruppen bis maximal 5 Teilnehmer finden und jeder Hundebesitzer die Gelegenheit haben wird teilnehmen zu können. Das ist -finde ich- eine sehr gute Übung für die Hunde auf wechselnde fremde Artgenossen zu treffen und eine gewisse Zeit beisammen zu sein (ergo = fremde Hunden gehören zur Normalität). Zudem kann wegen der kleinen Gruppe individuell auf den einzelnen Kenntnisstand der Teilnehmer mit Hund eingegangen werden und ein Einstieg ist immer möglich.

Ich bin ja sehr schnell für etwas zu begeistern und Nasenarbeit macht Bisco Spaß 😊. So nahm ich mir vor, auf jeden Fall an einem Kurs mit Bisco teilzunehmen.

 

Und vor zwei Wochen war es soweit. Bei diesem Termin haben wir uns an der Skaterbahn in Heusenstamm getroffen und sind in den Wald rein gelaufen. Marion kannte den Waldweg und wusste, dass dort kaum bis gar keine Spaziergänger sind.

 

 

 


Die erste Frage die ich mir gestellt hatte war, was ist das Fitzelchen? Bitteschön, hier ein Bild:

Damit auch kleinere Verstecke genutzt werden können, ist das Fitzelchen entstanden. Es ist aus einem weichen Material, dennoch robust und kann immer am Schlüsselband mitgeführt werden. Hunde sehen die Farben grün und rot nicht aber warum sind dann die Fitzelchen mit einem roten oder grünen Stoff umnäht? Na klar, damit die Besitzer sie wiederfinden! Ich bin ja wie bereits in einem anderen Beitrag erwähnt etwas orientierungslos und daher froh, dass mir damit etwas Abhilfe geschaffen wird 😅.

Der Fitzelchenkurs dient also dazu, den Hund auf einen Gegenstand zu konditionieren und die Suche danach Schritt für Schritt zu erschweren. Tja denkt jetzt mancher, das ist doch kein Problem und Rucki-Zucki erledigt! Denkste!

Als erstes sollte Bisco auf den Gegenstand konditioniert werden. Das hieß also, das Fitzelchen in die linke oder rechte Hand legen und als Faust zusammenballen. Das Fitzelchen soll dabei so weit raus schauen, dass Bisco es mit der Nase anstupsen kann. In die andere Hand als Faust geballt ein Leckerli legen. Beide Hände herunterhängen lassen. Wenn Bisco das Fitzelchen mit der Nase berührt hat, sofort Leckerli geben und belobigen.

Ich beugte mich mit ausgestreckten Händen vor und wartete. Die ersten beiden Male schnappte Bisco nach dem Fitzelchen. Er ist echt verfressen! Soll er ja nicht, also still stehen bleiben, bis er es nur mit der Nase berührt. Ich hatte keine Uhr an, aber es hat eine gefühlte Stunde gedauert. Innerlich war ich richtig unruhig und formte in Gedanken den Satz “berühr das Fitzelchen mit der Nase, nur berühren”.

In dieser Wartezeit hatte Bisco entweder versucht das Fitzelchen aus meiner Hand raus zu kratzen, in die Luft geschaut und gegrübelt, mich wieder angeschaut und irgendwann hat er es nur mit der Nase berührt. Das haben wir ein paar Mal wiederholt. Ich bin ja nicht die Größte (wie Helene Fischer nur 1,58 m) und Bisco ist als Möpschen auch kein Riese. Aber an dem Tag hatte ich Rücken und meine Hand war voller roter Striemen 😂.  


Als nächstes legte ich das Fitzelchen halb unter meinen Schuh. Da grübelte unser Bisco wieder eine Weile, bis er das Fitzelchen mit der Nase berührte. Großer Jubel, auch als er das gleiche tat als ich das Fitzelchen unter Marions Schuh legte. Habt ihr schon einmal Rauchwolken beim Hund gesehen? Hier waren sie überdeutlich zu sehen!!

Der dritte Schritt: Ich lasse die Leine los, werfe das Fitzelchen etwas weg und Bisco kann sofort hin rennen. Am Ende natürlich fröhlich loben, wenn er es mit der Nase berührt hat. Hier war der Knoten geplatzt  und ich warf das Fitzelchen ein paar Mal weg.

Jetzt kommt die Wortfindung! Das “Dingen” wie Marion das Fitzelchen vor unseren Hunden nannte, brauchte einen Namen. “Search” ging nicht, da ich das Wort bei der Futtersuche verwende. Eine Teilnehmerin nannte es “Schatz”. Ich entschied mich kurzentschlossen für “Fitzel”. Nicht sehr einfallsreich, aber ich kann es mir merken. Also das gleiche Spiel wie bei Schritt drei, nur dass ich jetzt “Fitzel” enthusiastisch als Kommando rief wenn Bisco suchen durfte. Ach was war ich stolz!

Anschließend wurde ein weiterer Gegenstand mit der Suche verbunden, damit Bisco weiß, dass es um das “Fitzel” geht. Marion teilte mir ein blaues Stofftaschentuch aus. Das sollte ich Bisco immer vor der Suche am Halsband festknoten.

Beim ersten und zweiten Mal fand er das Tuch total doof, beim dritten Mal wusste er direkt worum es ging. Wir wiederholten die Übung einige Male. Im Anschluss wurde die Übung verändert. Bisco sollte sitzen bleiben und ich ging einige Schritte weg, legte das “Fitzel” auf den Boden und ging zurück zu ihm. Er schaute mich erwartungsvoll an, hörte auf das Kommando “Fitzel” und sauste wie der Wind los. Naja, wie der Wind passt nicht bei 5-10 Schritten aber für mich sah es so aus. Jedes Mal fand es das “Fitzel” und man sah ihm die Freude wirklich im Gesicht an 😊 .

Der letzte Schritt für diesen Termin war, das “Fitzel” unter den Farn zu legen. Dabei habe ich gelernt, dass die Spur mit meinen Füßen bis zu der Stelle wo ich das “Fitzel” hinlege, gehen muss. Beim ersten Versuch legte ich das “Fitzel” nämlich einen Fußabdruck entfernt weg und auch noch in das Farn rein (nicht auf den Boden). Und wunderte mich im Nachhinein, dass Bisco um diese Stelle rumpirschte. Beim zweiten Versuch war das “Fitzel” schnell gefunden.

Mein Fazit

Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, die Gruppe war offen und sich gegenseitig sehr sympathisch. Wir waren beide groggy nach 1,5 Stunden und wir werden die Suche nach unserem “Fitzel” weiter verfolgen. Diese Nasenarbeit hat Bisco geistig und körperlich gefordert -und mich auch-! Unser beider Selbstbewusstsein wurde ebenfalls gestärkt.

Alle paar Tage trage ich das “Fitzel” und das blaue Stofftaschentuch beim Gassi gehen mit und setze es ein. Und es ist immer wieder ein Gaudi, wenn Bisco es findet. Bei den nächsten Terminen bei Marion wird die Suche weiterhin in kleinen Schritten erschwert. Da bin ich schon sehr gespannt darauf, wie Bisco das meistern wird.

Wenn Ihr mit Eurem Hund nun Lust auf die Fitzelchensuche im Kreis Offenbach / Hessen bekommen habt, könnt Ihr Euch auf  Marion´s Homepage erkundigen und mit ihr in Verbindung treten.

Ich freue mich auf Eure Kommentare, was Ihr mit Euren Hund(en) für Nasenarbeiten absolviert!

 

 

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